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 K Klub

Der Tarockhimmel – dort wär ich gern, er ist so fern!

„Trull, Pagat, Valat“ – eine unvergleichliche Lyrik umgibt diese Ansage.
Das Ganze dann noch bei einem Solodreier, die XVIII, deren Fehlen ich in der Aufregung gar nicht mitbekam,
fällt bei meinem zweiten Anziehen mit dem Mond.
Eine himmlische Freude! So träumt ein Tarockierer vom Himmel.

In allen Anleitungen zum Spiel der Könige gibt es hübsche Kartenbilder, sieben Tarock mit zwei Trullstücken samt König und langer Farbe für einen Sechserdreier, dann noch 3 Tarock und ein König im Talon.
Schlau erklärt, was ich ablegen muss, um einen heimlichen Valat zu spielen. Oder drei Schlusskarten und 7 Karten der vierten Farbe für einen Bettel ouvert. Da ziehe ich beim Ausspielen den König an, um die Mitspieler zu demütigen. Wie oft schon habe ich diese Beispiele gesehen, nachgestellt, nachgespielt.
Ein wahrer Meister bin ich! Sozusagen an der Schwelle zum Paradies.

Leichte Zweifel rühren sich nur bei der Bemerkung der besten aller Ehefrauen, die mein Schwelgen in Tarock-Triumphen stört:
„Das ist ja wie bei den Schachaufgaben in der Zeitung. Alles gestellt und die Lösung ist auf der nächsten Seite.“ Mein Widerspruchsgeist kommt in Wallung. Rasch ein paar Freunde, klarerweise alle Tarockierer, ob aus Begeisterung oder Können sei dahingestellt, angerufen und schon kann ich mein frisch erworbenes Wissen in die Tat umsetzen.

Klar, als Himmelsstürmer habe ich die erste Vorhand. Der Geber meint es gut mit mir.
In der ersten Lage finde ich die Trull, 2 Könige und eine Dame, also der Sechserdreier vom Schaubild 347a ist praktisch schon da. Moment, da kommen dann in der zweiten Lage die falschen Karten. Ein Bube und 5 leere Blätter. Also, für dieses Blatt gibt es keine Auflösung auf der nächsten Seite.
Glücklicherweise fällt mir der weise Spruch ein: „Für einen Sechserdreier brauchst Du ein Trullstück!“
Habe ich doch, und zwar alle! Also, vielleicht habe ich nur das passende Beispiel vergessen, meine Ansage ist unumstößlich. 31 Punkte habe ich in der Hand, eigentlich brauche ich nur mehr eine Dame einstechen.
Wie zum Hohn finden ich im Talon den Kakadu und fünf Farbkarten.
Meine Könige werde ich nicht durchbringen. Gstieß und Mond habe ich schon nach Hause gebracht, und mein vermeintlich bester Freund hat geschossen und mir den Uhu angehängt.
Aber das stand in keinem meiner schlauen Bücher!

In einer kurzen Pipi-Pause denke ich scharf nach und rufe alle gelernten Kartenbilder, die richtigen Lizitationen
und Strategieempfehlungen ab. Es muss ja funktionieren. Jeder andere Spieler findet für seinen A-Rufer oder Dreier zumindest 3 schöne Tarock im Talon, die gerufenen Partner sagen denen die Trull an, bei ouvert-Spielen liegen die tödlichen Schlusskarten im Talon. Bei meinem Vorhandrufer, eh grottenschlecht, hat der Gerufene gerade 2 Tarock im Blatt und keine einzige Farbkarte mit mir (ich hätte mich doch nicht aus der Farbe rufen sollen).
Es ist wie verhext. Nicht an der Schwelle zum Paradies, weit hinter dem Fegefeuer in der Hölle schmore ich.
Mein hübsches Spielgeld-Kästchen zeigt mir gähnende Leere. Dabei geht es ja nicht um die paar Euro- und Centmünzen, die Ehre, der Ruf als guter Tarockierer (das glaube ich nicht einmal selbst mehr) ist gefährdet,
ich schlittere in eine tiefe Depression, die Sinnkrise meines Lebens winkt.

Sicher aus purem Mitleid mit mir – oder doch, weil meine Münzbestände sich schon in die Krallen der Freunde vertschüsst haben – wird die letzte Runde eingeläutet. Freilich spielen wir doppelt.
Das viertletzte Spiel (ich bin da ja in der Vorhand) hat verdächtige Ähnlichkeit mit dem Beginn des Abends.
Aber ich habe immerhin schon 3 Tarock mehr in der Hand, weitere 4 schöne Stecher bringt der Talon.
Wui, hat sich das Blatt geputzt. Trull, vier Könige zu Hause, der Uhu hat sich ganz leicht spielen lassen.
Gleich darauf ein Farbensolo mit 4 Königen, und das letzte Spiel bringt mir einen A-Rufer mit Pagat, Uhu und Kakadu. Poch, poch, jetzt darf ich doch in den Tarockhimmel.

Und diese Geschichte wiederholt sich immer wieder.
Bloß die Reihenfolge zwischen Glück und Frust wechselt unvorhersehbar.
Auch wenn ich mittlerweile gelegentlich ein Spiel mit 5 Tarock gewinne (und das nicht beim Trischaken),
weiter als bis zur Schwelle schaff ich den Weg in den Tarockhimmel nicht.
Ist vielleicht ganz gut, weil am Ende der Fahnenstange ginge es eh nicht mehr weiter.

Euer F