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                                          Gstieß heil

                                                                   Gstieß
Ein lieber früherer Kollege und engagierter Tarockierer beendete jedes Gespräch, auch jedes E-Mail mit diesem Sager. „Gstieß heil!“ war und ist wahrscheinlich heute noch sein Markenzeichen. Ich kenne das „heil“ nur aus düsteren vergangenen Zeiten und von Freunden aus Tirol, für die dieses Unwort das überhaupt Schönste und Prächtigste auf dieser Welt ist. Sie sagen es statt einem Gruß, prusten es heraus statt ein sinnhaftes und merkenswürdiges Wort der Begeisterung zu äußern.

      Neuerdings bin ich aber ein ganz großer Verfechter dieses Sagers, „Gstieß heil“ ist mir heilig geworden! Jawoll! Passt ja auch zusammen, dass „heil“ und „heilig“ einen gemeinsamen Wortstamm haben. Der Loisl (mein lieber früherer Kollege) soll stolz sein, dass sein Sager es zu so großem Ruhm gebracht hat! Weil, ich glaube jetzt ganz fest an die Allmacht des Gstieß, weiß seine Gunst zu nutzen und seinen Unmut zu achten. Und das kam so:

      Nach wochenlanger Tarockabstinenz komme ich zum geliebten und unverzichtbaren Treffen der Tarockierer, voll Elan und dem Willen, heute der Welt, d. h. den Tarockfreunden, einen Haxen auszureißen. Einen ganzen Monat ohne Tarock, ohne den Spielkameraden mit meinen Lizitationen ihre Spielideen zu versauern! Also, mit einfachen A-Rufern oder gar Negativspielen werden die heute nicht durchkommen! Schon das erste Blatt – ich habe ehrenhalber ob meiner langen Abstinenz die Vorhand – ist vielversprechend. Mein Sechser wird nicht zu toppen sein! Und dann sagt mir doch so ein Freunderl ein Farbensolo an, das ich mit meinen fünf Tarock nicht ernsthaft überbieten kann. Gleich darauf wird mein Dreier, mutig mit dem Pagat als einziges Trullstück, von eine Piccolo ouvert überboten, und das schon wieder vom gleichen „Freund“. Also, meine Rückkehr in die Welt des Tarockierens habe ich mir doch anders vorgestellt.

      Fast eine Stunde ist vergangen, ohne dass ich ein nennenswertes Spiel gehabt hätte. Meist war ich als Gegenspieler und Zahler im Einsatz. Zwei Dreier waren erfolglos, wurde doch beide Male der entscheidende König von einem anderen Gegenspieler mit dem Gstieß arretiert. Jetzt reichte es aber. Mit vier Tarock und erstmals am Abend mit dem Gstieß ließ ich mir den Sechser nicht mehr wegschnappen, die Trull und vier Könige als Zusatzprämien versöhnten mich mit dem bisherigen Spielverlauf. Ermuntert davon lizitiere ich den nächsten Sechser, wieder mit dem Pagat als einzigem Trullstück. Wissend, dass nur 40 % dieser Mutspiele zu gewinnen ist, hebe ich aus dem Talon den Gstieß und bin Weltmeister. Der Gegenspieler links von mir legt mit dem Mond auf eine Dame vor und mein Valat ist einfach so passiert. Und ab diesem Moment ist der Gstieß mein Freund, nicht nur dass er bei mir als Dauergast einzieht, er sichert mir jeden auch noch so fraglichen Spielgewinn.

     Und seither ist für mich bestätigt, der Gstieß bringt den Erfolg, Gstieß heil!
                                                                          von: mit F